30-05-2025
Das Bersarin-Memorial in St. Petersburg
Sammlungsinitiative zur Mitfinanzierung
Sammlungsinitiative zur Mitfinanzierung
Ziel des Weltklubs der Petersburger als ein öffentlicher, nichtstaatlicher Zusammenschluss von Menschen: Ihm liegt „die Erhaltung der moralischen und geistigen Kultur St. Petersburgs am Herzen“ und er verteidigt auch die „besondere Bedeutung [der Stadt an der Newa] für Russland und Europa“. „Das Wort »weltweit« steht am Anfang des Klubnamens, nicht nur, weil er auch im Ausland lebende Menschen einschließt. Der Petersburger Club ist »weltweit«, weil er offen für die Zusammenarbeit mit Bürgern aller Länder ist, die sich für Petersburg interessieren“ Всемирный клуб петербуржцев. Damit wird ersichtlich, warum der
Weltklub der Petersburger sich auch um das Erbe des hier geborenen Nikolai Bersarin bemüht. Mit ihm schlägt man den historischen Bogen von Petersburg nach Berlin.
Entwurf: Perspektivansicht des künftigen Areals am Bersarin-Square
Darstellung der Bersarin-Vita anlässlich der Grundsteinlegung am 16. Juni 2025
(Сквер Берзарина: Bersarin-Platz und -Park am Boulevard, Mittlerer Prospekt im Stadtteil Wassiljewski-Insel – Васильевский Остров, wo Bersarin 1904 geboren wurde und bis 1918 aufwuchs)
Wir trafen anlässlich des Bersarin-Gedenkens in Piter nach vielen Jahren der physischen Trennung wieder mit unseren Bersarins zusammen, unter ihnen Enkel Oberst a. D. Nikolai Bersarin-Kurzew und Enkelin Dr. med. Alexandra Bersarina-Lasuk – insgesamt 10 Nachkommen des Generals: Enkel, Urenkel und Ururenkel.
Tatjana Weber (geb. Misch) kennt beispielsweise Nikolai (Kolja, Sohn von Bersarin-Tochter Larissa) seit mehr als 50 Jahren in langer familiärer Freundschaft und zwar seit der Verleihung des Namens „Nikolai-Bersarin-Oberschule“ an ihre einstige Schule in Berlin-Hohenschönhausen und seit dem ersten Schüleraustausch mit der Moskauer 128. Oberschule im Jahre 1970, als Larissa und Kolja Gast in der Familie Misch waren. In den Jahren zwischen 1978 bis Mitte der 1990er Jahre, als wir im Verlaufe von 15 Jahren während unserer Doktoranturen sowie zweier Auslandseinsätze in den Botschaften der DDR und
der BRD in Moskau als Studienbeauftragte und Kulturreferenten bzw. als Lehrerin an der Botschaftsschule arbeiteten, sahen wir die Bersarins zumindest anlässlich aller Gedenktage und Geburtstage. In dieser Zeit wurde Bersarin-Urenkel Anton in Berlin (1979) und unsere Tochter Alexandra in Moskau (1980) geboren. Aus dieser persönlichen Schilderung lässt sich ermessen, welche Wiedersehensfreude und wie viele Freudentränen, Herzlichkeiten und emotionalen Gespräche, aber auch wichtige Erkenntnisse diese Tage mit ihnen in Piter prägten.
Es war für uns eine Ehre und Verpflichtung in Piter die aufrechten Kämpfer für die Bersarin-Sache vertreten zu dürfen und zu zeigen, dass es ein anderes Deutschland gibt – im Gegensatz zum Deutschland der herrschenden (westdeutsch geprägten) Eliten. Deren Russenhass, Wahnsinns-Sanktionen und Versuche, die Heimat Bersarins erneut zu zerstören und sie sich einzuverleiben, wurden für uns bei Hin- und Rückreise sprichwörtlich physisch spürbar. Uns trafen Russophobie und Sanktionsschikanen mit voller Härte in Gestalt unsäglicher Reisestrapazen, während diejenigen Russen, die diese Sanktionen und das Land in die Knie zwingen sollen, über die Idiotie und Selbstbeschädigung vor allem der deutschen Verursacher der Sanktionen nur schmunzeln können.
Russland wird auch weitere sinnlose Sanktionspakete nicht nur überleben, sondern auch in Zukunft gedeihen. Davon konnten wir uns vor Ort in einer hochdynamischen, äußerst sauberen Stadt überzeugen! Wir erlebten hochmotivierte, aktive, zugleich freundliche, aufgeschlossene Menschen.
Hier gibt es keinerlei Mangel, kein Mensch, der unter Brücken schlafen muss, dafür sehr viel Patriotismus und keinerlei Zweifel am Sieg des eigenen Volkes über die westlichen Aggressoren – trotz der Tragik, die erneut bedingt ist durch die vielen Menschenopfer infolge des Krieges.
Wir konnten nicht nur die Meinungen der Bersarins und der Petersburger Repräsentanten zur Kenntnis nehmen, sondern auch die des „Bürgers auf der Straße“ oder von Taxifahrern, die uns als Zufallsbekanntschaften begegneten. Wir können daraus nur einen Stimmungseindruck widergeben. Tatsache ist aber: Wir trafen weder Deutschenhass an, noch andere Ablehnungsformen, sondern größten Respekt, Aufgeschlossenheit und hochgradige Herzlichkeit gegenüber uns, die zu ihnen kamen und die sich mittels der russischen Sprache über alles verständigen konnten. Es kam dabei selbst zu tränenuntersetzten Begegnungen und auch zum Austausch von Kontaktdaten. Es entstanden spontan neue Bekanntschaften und Freundschaften.
Eine Rolle spielt bei der Siegeszuversicht der Russen auch, dass die Mehrheit der Völker dieser Welt hinter Russland steht, weil der Globale Süden Doppelmoral, Doppelstandards und Doppelzüngigkeit von NATO/EU, des Westens insgesamt, ablehnt, die westlichen Aggressionen nicht akzeptiert und weiter an der Seite Russlands steht. Auch ist in allen Gesprächen – auch mit den Zufallsbekanntschaften – in der Sicht auf den 24.2.2022 durchgängig für uns der Eindruck entstanden, dass alle wissen, dass es seit 2014 einen Krieg vor dem Krieg gab, geführt von der vor allem westukrainischen und Kiewer Elite gegen die eigene mehrheitlich russischsprachige Bevölkerung mit dem Ziel, die russische Sprache und Kultur auszurotten.
Nicht unbedingt einheitlich sind die Meinungen zur Art der Kriegsführung – eine scheinbare Minderheit der Russen wünscht sich eine weitaus härtere Vorgehensweise vor allem gegen die westukrainische, als faschistisch und äußerst korrupt wahrgenommene Elite, weil diese ihre eigenen Söhne vor dem Kriegsdienst bewahrt, aber einfache, arme russische Männer aus der ukrainischen Provinz, die sich bei den Rekruteneintreibern nicht freikaufen können, an die Front zwingt. Die ukrainischen Eliten gelten als noch korrupter als sie je waren – der Spitzenplatz in Europa!
Wir haben unseren Petersburger Gesprächspartnern zu verstehen gegeben, dass wir Ursache und Wirkung für den Krieg sehr wohl beurteilen können, dass die westlichen Aggressoren mit der NATO-Ostausdehnung Russland eingekreist und bewusst provoziert haben und dass wir Deutschen aus der Geschichte zweier Weltkriege heraus die Letzten sind, die berechtigt wären, Russland irgendwelche Vorhaltungen zu machen.
Wir haben gesagt: Vorhaltungen stehen uns Deutschen schlicht nicht zu!!! Und kehren wir doch erst einmal vor der eigenen Haustür, was die Duldung von Neofaschismus in Deutschland und außerhalb betrifft.
Unser Anliegen
Nach der Schilderung dieser Erlebnisse, die gleichfalls ein Motiv darstellen für die während der Reise entstandene Idee der Beteiligung von deutschen Bersarin-Verehrern und Bersarin-Schützern an der Finanzierung des Bersarin-Memorials in St. Petersburg, sollen dazu an dieser Stelle nun Hintergründe und mögliche konkrete Realisierungsgedanken geäußert werden.
Es sei betont, dass mit unseren Petersburger Freunden über die Idee einer deutschen Beteiligung am Bersarin-Memorial in St. Petersburg noch kein Wort gesprochen wurde.
Ein solcher Gedanke wurde von ihrer Seite überhaupt nicht erwähnt. Es war kein Thema!
Es ist allein unsere Idee, die aus der Atmosphäre in den Tagen in Piter entstand.
Wir möchten deshalb – bevor ein Signal nach Piter erfolgt – erst einmal die Möglichkeiten ausloten, wie sich Bersarin-Verehrer und Bersarin-Schützer in Deutschland eine solche eher symbolische, aber moralisch-politisch viel höher einzuordnende deutsche Beteiligung an der Finanzierung des Bersarin-Memorials in St. Petersburg vorstellen könnten.
Wir meinen, dass dabei folgende Fakten zu beachten wären:
1. Die Finanzierung des Bersarin-Denkmals selbst sowie der Gestaltung des Areals und der Grünanlagen am Bersarin-Square (Сквер Берзарина, der nach ihm benannten Straße und Parkanlage) ist eine rein ehrenamtlich-gesellschaftliche Angelegenheit, ohne jegliche monitäre Staatsbeteiligung.
Die Finanzierung ist noch keineswegs gesichert, die Einweihung daher ungewiss – kann nicht vor dem nächsten Jahr erfolgen. Das war der Hintergrund unserer Idee einer deutschen Beteiligung.
Da wir gegenüber den Petersburger Freunden kein Wort über unsere Idee verloren haben, wissen wir auch nichts über den konkreten Stand der Finanzierung des Bersarin-Memorials.
Womit wir allerdings rechnen können: Unsere Idee wird in Piter mit größter Überraschung, aber auch mit größtem Respekt und mit höchster Wertschätzung aufgenommen.
Warum ? Der Einzige, der bisher von unserer Idee weiß, ist Bersarin-Enkel Oberst a. D. Nikolai Bersarin-Kurzew. Ihn hat Dieter Weber ins Vertrauen gezogen, um auszuloten, ob seine Idee in Piter so verstanden wird, wie sie gemeint ist. Es ging um die Frage der Vermeidung von eventuellen Missverständnissen. Oberst a. D. Kurzew hat die Idee als grandios bezeichnet: In Piter wird man das genau so sehen.
Das jahrzehntelange Vertrauensverhältnis zwischen ihm und uns war die Voraussetzung, um abzuklären, wie die Idee in der geschilderten Weise zu gegebener Zeit gegenüber den Petersburger Freunden darzustellen ist.
2. Es wird nicht auf die Höhe des Finanzierungsbeitrages unsererseits ankommen, sondern auf Idee und Geste, um die Wertschätzung der durch die Petersburger erfolgten Bersarin-Ehrung aus deutscher Sicht zu zeigen.
Wir wollen uns in größter Bescheidenheit am Projekt beteiligen, um zu dokumentieren, dass das Bersarin-Memorial auch unsere Sache als Deutsche ist.
Nikolai hat die Hoffnung geäußert, dass wir in Deutschland einen klein bemessenen, aber signifikanten Beitrag zusammenbekommen. Über eine Summe wurde nicht gesprochen, da es dafür noch keinerlei Anhaltspunkte geben konnte.
3. Es wurden angesichts der Sanktionen auch erste Überlegungen durch Nikolai Bersarin-Kurzew angesprochen, wie unser Finanzierungsbeitrag problemlos nach Piter gelangen könnte.
Erwähnt sei der Fakt nur, um eventuelle Bedenken zu zerstreuen: Wenn ein bestimmter Betrag vorhanden ist, wird er auch die Adressaten erreichen. Es ist aber noch völlig unzeitgemäß, darüber Näheres mitzuteilen.
4. Überlegungen zur Organisation der Mittelsammlung.
Wir erhoffen uns von Euch, liebe Bersarin-Freunde, vor allem von denen, die Projektfinanzierungen bereits tätigten, dazu Hinweise zu bekommen.
Grundsätzlich wäre zu überlegen, ob die einzelnen Mitstreiter eigenständig handeln.
Zwecks Transparenz könnte ein Projektgremium aus Repräsentanten der Mitstreiter formiert werden, dass die eingehenden Mittel in Obhut nimmt. Einzelunterstützer könnten sich an dieses Projektgremium wenden. Das Projektgremium sollte in Berlin agieren.
Dr. Dieter Weber
27.6.2025